Linda und Georgien

Mein Name ist Linda, ich bin 18 Jahre, komme aus Freiburg im Breisgau und im September mache ich mich zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Rahel auf nach Georgien um dort mein vorerst größtes Abenteuer zu erleben.
Gemeinsam mit Rahel mache ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in Georgien.

Ein Abenteuer ist es wirklich für mich, denn bevor mich der Zufall und dieses tolle Projekt „ Life Chance“ nach Georgien verschlugen, wusste ich praktisch nichts über das Land. Ich wusste wo es liegt (irgendwo hinter der Türkei bei Russland oder war es doch in der Nähe von China?) und ich wusste den Namen der Hauptstadt. „Tiblissi“.
Jetzt weiß ich schon mehr: Ich weiß, dass es dort sehr gebirgig ist, weil der Kaukasus sich durch große Teile des Landes zieht, dass dort viel Wein angebaut wird (der schon bei geringem Genuss eine blaue Zunge macht), dass die Landschaft wunderschön ist, ähnlich wie im Mittelmeerraum, dass dort viel gefeiert wird und mir wurde berichtet, dass das Essen ganz toll ist. Ein Grund mehr ein FSJ dort zu machen. 

Überhaupt, wenn man sich mal mit Georgien beschäftigt, fällt einem plötzlich auf, dass dieses Land gar nicht so fremd ist.
Da gab es diesen Schüler in meiner Grundschulklasse, der kam aus Georgien, er hat uns immer von den wunderschönen Orangenbäumen dort erzählt. Auch der Freund meiner Freundin ist Georgier (mit dessen Hilfe nähere ich mich gerade äußerst mühsam der georgischen Sprache an) und ganz wichtig: Vor ein paar Jahren kamen fast alle Fußballspieler des SC Freiburg aus Georgien, wenn das kein Zeichen ist! Das ferne Georgien ist also eigentlich ziemlich nahe.

Trotzdem hatte ich zuerst so meine Zweifel. Das ist so weit weg und so unbekannt, ich kann kein Wort georgisch und über die Lebensumstände und die Kultur wusste ich auch kaum etwas. Aber ich wollte immer nach meinem Abi ein FSJ machen und ich wusste, dass ich auf jeden Fall etwas mit Kindern und Jugendlichen machen will und das am besten im Ausland. Ich habe mich für viele Stellen beworben, aber das meiste war nicht wirklich das was ich mir für mein FSJ vorgestellt hatte.
Dann habe ich die Stelle in Georgien entdeckt: Kinder- und Jugendarbeit, die viel mit Musik und Kreativität zu tun hat, also genau das was ich gerne mache! Die Tatsache, dass die Stelle in Georgien war, hat mir Angst gemacht aber auch gefallen, da ich dieses Land noch nicht kenne (dort kann ich über meinen Tellerrand hinausblicken) und ich glaube, dass ich dort wirklich helfen kann, mehr als vielleicht in Westeuropa.
Also habe ich mir gesagt: „Linda, das ist genau das FSJ, das du wolltest: das Projekt ist toll, das Land ist eine Herausforderung, du kannst ganz viel Neues und Tolles erleben, eine neue Kultur kennen lernen und die Sprache lernst du schon.“, ich habe mich beworben und bin genommen worden!!!

Ich glaube zwar, dass es am Anfang bestimmt schwer wird, aber ich freue mich trotzdem jetzt schon sehr auf dieses Jahr und bin gespannt was für unglaubliche Dinge Rahel und ich dort erleben werden. Das wird bestimmt eine wunderschöne Zeit, auf jeden Fall wird es ein unvergessliches Erlebnis……

Georgien.

Es ist seltsam. Bevor ich mich für mein Freiwilliges Jahr entschied, hatte ich eigentlich kaum Ahnung von Georgien. Ich wusste, dass Georgien ein Land ist, das sich sehr weit entfernt von mir befindet. Alles, was da passiert, hatte ja nichts persönlich mit mir zu tun. Im Moment erscheint mir Georgien und all die Nachrichten, die mich von dort erreichen noch sehr fern. Ich glaube, dass mir das Land erst richtig bekannt und lieb werden kann, wenn ich dort bin.

Dennoch bin ich ziemlich erstaunt, wie viele Leute in meiner persönlichen eher kleinen Umgebung mit dem Land Georgien zu tun haben. Ein Bekannter von mir verwies wiederum an einen Bekannten, der oft nach Georgien reiste und auch lange Zeit dort als Pfarrer arbeitete. Seine Frau erzählte mir von all den Projekten, die man von Deutschland aus, bzw. speziell von Sachsen aus so startete. Und das waren einige, wie ich erstaunt feststellte. Die Freundin einer Freundin ist auch Georgierin. Auf den ersten Blick habe ich vielleicht gar nichts mit Georgien zu tun. Aber auf den zweiten Blick doch eigentlich mehr als ich dachte.

Einen Grund für mich dieses Soziale Jahr zu machen, gibt es nicht. Es gibt mehrere, die alleine gar nicht genug gewesen wären. Diese Gründe verstärken sich sogar noch gegenseitig.

Ein Grund war für mich, erst einmal Pause vom Lernen zu bekommen. Ich will mir eine Auszeit vom Lernkreislauf nehmen. Außerdem wollte ich wissen, wie man arbeitet. Es ist ein Riesenunterschied, ob man davon hört, wie schwierig/anstrengend etwas ist oder ob man es miterlebt.

Ein anderer Grund war für mich die „Stellenbeschreibung“. Es ging um Jugendarbeit und auch um TEN SING Arbeit. Beides fand ich auf Anhieb gut und ich habe ja auch schon Erfahrung damit. Außerdem fand ich Georgien als „Arbeitsland“ auch besonders/außergewöhnlich. Es gehen wohl sehr wenige nach Georgien für ein Freiwilliges Jahr. Jedenfalls habe ich das beim Iinternationalem Forum vom CVJM in Kassel so erlebt.

Der dritte und letzte ausschlaggebende Grund war schließlich der der zusätzlichen Zeit, die ich dadurch erhalte. Ich will ab Herbst 2012 studieren, kann mich aber noch nicht zwischen Studiengängen entscheiden.

Ich weiß nicht, was mich genau in Georgien erwarten wird. Ich hoffe, dass ich helfen kann. Auch hoffe ich, dass ich etwas miterleben kann, von dem ich mir noch nicht einmal etwas erträumen könnte. Ich bin gespannt…

„...Land, Flair, Georgier und Freiwillige machten mir den Abschied und das Herz richtig schwer.“

Balthasar Heinzelmann, der bis vergangenen August Freiwilliger beim YMCA Telavi in Georgien war, blickt auf eine prägende und schöne Zeit zurück.
Lesen sie hier von seinen Erlebnissen:

(Fast) ein Jahr in Georgien

- Auslandserfahrungen eines EFDler -

 

„Und, bist du froh wieder hier zu sein?“ - „Ja schon.“ - (Pause) - „Und hast du denn nichts zu erzählen?“ – „Ich weiß nicht... Es war... schön.“

Wer von Klapisch „L’auberge espagnole“ gesehen hat, weiß, wie schwer sich Xavier tut, als er seiner Mutter von seinem Jahr in Spanien erzählen soll. Während seinem Auslandsaufenthalt hat er vieles erlebt, was ihn bewegt hat und ist vermutlich noch gar nicht richtig in Frankreich „angekommen“, weshalb er um Worte ringend nur mit „schön“ antwortet.

Ich war zwar nicht als Erasmus-Student in Spanien, dafür aber in Georgien als EFDler und möchte mein „schön“ für euch ein bisschen ausführen:

Am besten fängt man bei den Rahmenbedingungen an: Ich war nicht ganz ein Jahr von September bis August mit einer kleinen Zwischenpause in Telavi beim YMCA. Alltägliches gab es quasi nicht, da an jedem Tag etwas anderes anstand und selbst Geplantes bei der Ausführung immer anders lief. Hier waren also immer Flexibilität, starke Nerven und eine Portion Zuversicht gefragt. „Geplantes“ war z.B. Tensing, das einmal in der Woche statt fand, wo wir ca. zu sechst englische und georgische Lieder neu gelernt und gesungen haben. Davor und danach, und oft auch unter der Woche, gab’s bei Kaffee oder Tee wahlweise Ligretto-Schlachten, Set-Meisterschaften, Schach, Indiaka usw. Dabei wurde auf Georgisch viel gequatscht und gelacht. Des Weiteren war ich noch als kleiner Hausmeister tätig und habe Haus und Garten gehegt und gepflegt.

Um bei dem einen oder anderen Tratsch mit mischen können, musste ich natürlich Sprache und Schrift lernen, wozu ich zwei mal die Woche an die Universität ging und für eine Stunde Georgischunterricht auf Englisch bekam. Als Gegenleistung hielt ich zwei mal in der Woche Deutschstunden für die praktische Anwendung des Gelernten bei georgischen Deutschstudenten. Dieses Grundmuster wurde dann von Wanderungen, Ausflügen und anderen Exkursionen unterbrochen, die uns unter anderem auf den Hausberg von Telavi zum Campieren, in die Hauptstadt und an die vielen alten Kirchen führte.

Ein touristischer Höhepunkt war jedoch das EFD-Trainings-Seminar an der Schwarzmeerküste – und die paar Tage, die wir im Anschluß dort verbrachten. Auf dem Programm stand unter anderem: Baden, baden, baden, vom Felsen springen, unter freiem Himmel übernachten, wandern, usw... Und im März der Besuch in Mestia, eine Region tief in den Bergschluchten des Kaukasus. Hier gab es bei Ausflügen viel Schnee für Saltoversuche vom Balkon einer geschlossenen Jagdhütte, Schneeballschlachten, „Bräunungseinheiten“ auf Schnee, leckeres traditionelles Essen und eine spontane Darbietung europäischer Kultur beim „Tag der Frauen“ (einem Dorffest).

Mein letztes Fest war dann nicht mehr so angenehmer Natur: Land, Flair, Georgier und Freiwillige machten mir den Abschied und das Herz richtig schwer. Mit verwirrten Heimatsgefühlen und insgeheim auf ein Wiedersehn hoffend flog ich dann zurück...

 

FWD 10/11

FWD 08/09

Freiwillige ab September: Linda Roth und Rahel Escher

Ab September 2011 werden Linda Roth und Rahel Escher einen Freiwilligendienst bei unserer georgischen Partnerorganisation Life Chance machen.
Auf einem Blog können Sie auf unserer Homepage mitverfolgen, wie es den beiden geht und was sie, in dem für sie bis jetzt unbekannten, Georgien erleben.


Lesen Sie jetzt schon, was sie bewegt hat als Freiwillige nach Georgien zu gehen und wie sie sich selbst vorstellen.

 

Rahel Escher

Linda Roth

 

Zum Freiwilligenblog geht es hier


Wieder mal kein Schwabe, aber trotzdem ein klasse Typ

Von den Mitarbeitern vom YMCA Telavi und Lebenschance wurde ich im wunderschönen Georgien sehr herzlich empfangen. Die spannende und herausfordernde Arbeit im jungen Team bereitet mir Freude - und trägt bereits erste Früchte", berichtet Derk Ihler aus Tbilisi.

Der 27-Jährige aus dem Norden Deutschlands leistet seit Juni in Georgien einen Freiwilligendienst.

Ganz im Sinne seines BWL-Studiums unterstützt er die junge NGO „Life Chance“ als "Business Advisor". Die Entwicklung einer Unternehmensstrategie und des Businessplans im Rahmen des Ausbildungsprojektes sind dabei Dinge, die ihn und seine georgischen Kollegen im Moment tagtäglich beschäftigen.

Außerdem kümmert sich Derk um die Kommunikation nach Deutschland und damit auch zu FIB, schreibt Protokolle der Teamsitzungen und nimmt an wichtigen Terminen teil. Nicht selten sind hierbei auch seine Fähigkeiten als Übersetzer gefragt.

Doch auch über seinen Dienst hinaus fühlt sich Derk richtig wohl in Georgien. Sei es bei Ausflügen im Land, Begegnungen mit den Georgiern oder den Zusammenkünften der Expat-Familie (in Tiblisi lebende Nicht-Georgier), Derk scheint jede Menge zu erleben und eine zweite Heimat gefunden zu haben.

 

FWD 09/10

FWD 08/09

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