„...Land, Flair, Georgier und Freiwillige machten mir den Abschied und das Herz richtig schwer.“

Balthasar Heinzelmann, der bis vergangenen August Freiwilliger beim YMCA Telavi in Georgien war, blickt auf eine prägende und schöne Zeit zurück.
Lesen sie hier von seinen Erlebnissen:

(Fast) ein Jahr in Georgien

- Auslandserfahrungen eines EFDler -

 

„Und, bist du froh wieder hier zu sein?“ - „Ja schon.“ - (Pause) - „Und hast du denn nichts zu erzählen?“ – „Ich weiß nicht... Es war... schön.“

Wer von Klapisch „L’auberge espagnole“ gesehen hat, weiß, wie schwer sich Xavier tut, als er seiner Mutter von seinem Jahr in Spanien erzählen soll. Während seinem Auslandsaufenthalt hat er vieles erlebt, was ihn bewegt hat und ist vermutlich noch gar nicht richtig in Frankreich „angekommen“, weshalb er um Worte ringend nur mit „schön“ antwortet.

Ich war zwar nicht als Erasmus-Student in Spanien, dafür aber in Georgien als EFDler und möchte mein „schön“ für euch ein bisschen ausführen:

Am besten fängt man bei den Rahmenbedingungen an: Ich war nicht ganz ein Jahr von September bis August mit einer kleinen Zwischenpause in Telavi beim YMCA. Alltägliches gab es quasi nicht, da an jedem Tag etwas anderes anstand und selbst Geplantes bei der Ausführung immer anders lief. Hier waren also immer Flexibilität, starke Nerven und eine Portion Zuversicht gefragt. „Geplantes“ war z.B. Tensing, das einmal in der Woche statt fand, wo wir ca. zu sechst englische und georgische Lieder neu gelernt und gesungen haben. Davor und danach, und oft auch unter der Woche, gab’s bei Kaffee oder Tee wahlweise Ligretto-Schlachten, Set-Meisterschaften, Schach, Indiaka usw. Dabei wurde auf Georgisch viel gequatscht und gelacht. Des Weiteren war ich noch als kleiner Hausmeister tätig und habe Haus und Garten gehegt und gepflegt.

Um bei dem einen oder anderen Tratsch mit mischen können, musste ich natürlich Sprache und Schrift lernen, wozu ich zwei mal die Woche an die Universität ging und für eine Stunde Georgischunterricht auf Englisch bekam. Als Gegenleistung hielt ich zwei mal in der Woche Deutschstunden für die praktische Anwendung des Gelernten bei georgischen Deutschstudenten. Dieses Grundmuster wurde dann von Wanderungen, Ausflügen und anderen Exkursionen unterbrochen, die uns unter anderem auf den Hausberg von Telavi zum Campieren, in die Hauptstadt und an die vielen alten Kirchen führte.

Ein touristischer Höhepunkt war jedoch das EFD-Trainings-Seminar an der Schwarzmeerküste – und die paar Tage, die wir im Anschluß dort verbrachten. Auf dem Programm stand unter anderem: Baden, baden, baden, vom Felsen springen, unter freiem Himmel übernachten, wandern, usw... Und im März der Besuch in Mestia, eine Region tief in den Bergschluchten des Kaukasus. Hier gab es bei Ausflügen viel Schnee für Saltoversuche vom Balkon einer geschlossenen Jagdhütte, Schneeballschlachten, „Bräunungseinheiten“ auf Schnee, leckeres traditionelles Essen und eine spontane Darbietung europäischer Kultur beim „Tag der Frauen“ (einem Dorffest).

Mein letztes Fest war dann nicht mehr so angenehmer Natur: Land, Flair, Georgier und Freiwillige machten mir den Abschied und das Herz richtig schwer. Mit verwirrten Heimatsgefühlen und insgeheim auf ein Wiedersehn hoffend flog ich dann zurück...

 

FWD 10/11

FWD 08/09

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